Warum Yoga?

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„Yogas citta vritti nirodhah.“

„Yoga ist das zur Ruhe kommen der Gedanken im Geist.“

(Yogasutra des Patanjali)

 

 

Oftmals gründet sich die Entscheidung mit Yoga zu beginnen auf dem Bedürfnis sein Leben umzukrempeln und alte Verhaltensweisen und Gewohnheiten loszulassen. Für viele ist sie Ausdruck der Suche nach einem alternativen Ansatz, um Belastendes, von dem sie eigentlich wissen, dass es ihnen nicht gut tut, abzustreifen.

Hatha Yoga beruht hauptsächlich auf körperlichen Erfahrungen, mit dem Ziel, den Gedankenfluß zur Ruhe zu bringen. Hier kann der Übende seine Grenzen in Bezug auf Flexibilität, Atemkontrolle und Ruhe im Denken erspüren.

Im Gegenteil zu gymnastischen Übungen, die zwar auch gesundheitsfördernd, aber eher leistungsorientiert sind, wird im Yoga eine Haltung des „Geschehenlassens“ kultiviert.

Yoga ist kein Wettbewerb, es geht nicht um das Einnehmen der perfekten Stellung, sondern vielmehr darum, eine spirituelle Qualität zu erleben. Darum, den Grundstein für Akzeptanz im Leben zu legen, in dem man sich selbst erkennt und annimmt.

Durch Yoga wird die vitale Energie (Prana, Chi) durch systematisches Üben einer aufeinander abgestimmten Abfolge von Haltungen im Körper derart harmonisiert, dass bereits während, aber vor allem nach der Praxis, die nötige Kraft erlangt wird, um alte Verhaltensmuster und dysfunktionale Gedankengänge umzustrukturieren.

Einer der wichtigsten Aspekte des Yoga, neben körperlicher Kräftigung, Gedankenkontrolle und seelischer Gelassenheit, ist das Erlangen von Balance.

Patanjali faßt dies in den Yoga Sutras mit den Worten:

„Sthira Sukham Asanam“ zusammen, was übersetzt etwa so viel wie „Der Sitz sollte fest sein und mit Leichtigkeit gehalten werden“ bedeutet.

Hierin spiegelt sich bereits der Ansatz, Gegensätzliches miteinander zu vereinen. „Sthira“ und „Sukha“ formen einen Zustand des Gleichgewichts.

„Sthira“ bedeutet jedoch mehr als „fest“, es kann als „stabil“ aber auch „unveränderlich“ übersetzt werden. Wir werden aufgefordert, beispielsweise während der Praxis auftauchende Widerstände, welche sich oftmals aus einem einsetzenden Anfangsstadium der Entspannung erklären, zu transzendieren, mit dem Ziel loszulassen, und den gegenwärtigen Moment bedingungslos anzunehmen.

„Sukha“ kann zugleich als „leicht“, „glücklich“ und „entspannt“ verstanden werden.

Auch hier begegnen wir wieder dem Prinzip der Hingabe, der Gewaltlosigkeit (Ahimsa). Der Übende sollte sich immer wieder aufs Neue fragen „Fühle ich mich auf diese Weise wohl? Was muß ich verändern, damit dies so ist?“.

Das Wort „Asana“ bezieht sich traditionell auf die Sitzhaltung, abgeleitet von der Sanskritwurzel „as“ gleich „Sitz“.

„Asana“ im Sinne von „Körperhaltung“, sollte jedoch nicht als vorgeschriebene, rigide Position verstanden werden, sondern als Möglichkeit der subjektiven Erfahrung und Erforschung aller Schichten unseres Körpers, Geistes und unserer Seele.

Im Üben einer Position, lernen wir auch das Einnehmen und Halten für eine gewisse Zeitspanne. Ohne Unterbrechung, den Atem als Anker nutzend, vollkommen im Jetzt und uns unserer Empfindungen und Gedanken bewußt. Wir vereinen Loslassen und Halten im gegenwärtigen Moment und balancieren zwischen Spannung und Entspannung, Anstrengung und Mühelosigkeit.

„As“ bedeutet aber auch Gegenwärtigkeit, Präsenz im eigenen Körper und so kann man in einem weitergefaßten Verständnis von Asana als Basis, Fundament sprechen, von dem aus wir täglich agieren. Auf unser Leben bezogen kann dies heißen, Festigkeit im Setzen unserer Ziele und Leichtigkeit im Handeln. Denn die herausforderndste Haltung für viele ist immer noch die Haltung des Loslassens.

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